Thursday, November 24, 2005

Durkheim Durkheim Durkheim Durkheim

Ein kleiner Einblick in Durkheims Leben

Da ich neben Durkheims Werken und Einflüssen auf die Forschung auch seine Person nicht ganz außer Acht lassen will, werde ich zu Beginn kurz auf sein Leben eingehen: Durkheim erblickte 1858 in Epinal, in Frankreich, das Licht der Welt. Sein Vater war Rabbi und sein Sohn hätte in seine Fußstapfen treten sollen. Doch als Durkheim nach Paris ging, um auf die begehrte „Ecole Normale Supérieure“ zu gehen, brach er mit dem Judaismus. Religion sollte aber nicht nur für sein Privatleben von Bedeutung sein, sondern spielte auch in seiner „intellektuellen Laufbahn“ eine wichtige Rolle. Er unterrichtete Philosophie und, was bemerkenswerter ist, erhielt einen Lehrstuhl für Pädagogik und Soziologie. Dies ist so besonders, da die Soziologie als eigene Wissenschaft zuvor in Frankreich noch nicht existierte.
1898 gründete Durkheim gemeinsam mit einigen jungen Studenten die Zeitschrift „Année Sociologique“, welche interdisziplinäre Beiträge zu sozialwissenschaftlichen Themen veröffentlichte, was für die damalige Zeit als revolutionär zu betrachten ist und so manchen Grundstein für die spätere Theorienbildung legte.
Von 1902 bis zu seinem durch einen Schlaganfall verursachten Tod 1917 blieb er an der Sorbonne.

Durkheims Ansichten und Werke und deren Einflüsse

Vom anthropologischen Gesichtspunkt aus hat Durkheim durch sein Forschen über Religion am meisten bewegt. Er vertrat eine andere Ansicht als die Britische Schule, welche Religion als Produkt des menschlichen Verstandes, also der Psyche eines Individuums, sah und den Glauben, nicht aber das Ritual, betonten. Durkheim hingegen meinte, dass Religion aus „social forces“ (den Einflüssen der Gesellschaft oder sozialer Institutionen auf das Individuum) bestehe und dass sie folglich eine soziale Funktion habe. Diese Funktion besteht darin, dass die Gesellschaft ihre Ideologien, wie z.B. Religion, verwendet um ihre Werte, Moralvorstellungen und soziale Normen individuellen Mitgliedern „aufzuzwingen“ und diese zum Ausdruck zu bringen. Rituale sind für Durkheim eine Verstärkung des sozialen Bewusstseins, des Kollektivbewusstseins, und inkludieren, dass die verwendeten Symbole zur „Tarnung“ der Macht der Gesellschaft über das Individuum dienen.
Weiters versuchte Durkheim Elemente religiösen Glaubens zu finden, die allgemein auf verschiedene Kulturen zutreffen. So entwickelte er eine seiner viel geliebten Dichotomien – oder Zweispaltungen – und zwar die Gegenüberstellung des Sakralen oder Heiligen (die religiöse Ausdrucksweise für die Werte der Gesellschaft) und des Profanen oder Alltäglichen, Weltlichen (alles nicht Religiöse). Hierbei wollte er betonen, dass diese beiden Bereiche zwar streng von einander getrennt sind, aber doch in Abhängigkeit stehen.
Mit all diesen Dingen setzte sich Durkheim in seinem Werk „Les formes élémentaires de la vie religieuse“ auseinander.

Durkheim beschäftigte sich außerdem sehr mit Totemismus, welchen er als die früheste Form von Religion ansah und seine Überzeugung, dass Verehrung in Wirklichkeit durch religiöse, abstrakt für die Gesellschaft stehende Symbole verschleierte Selbstverehrung sei, sehr gut widerspiegelt. In seinem gemeinsam mit Marcel Mauss verfassten Buch „Primitive Classification“ erforschten die beiden Autoren die Verbindung zwischen sozialer Organisation und bestimmten Denkweisen. Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich dieses Werk mit „primitiven“ Systemen der Klassifikation, also damit wie sozial vorgefertigte Kategorien die Einteilung von Dingen, Menschen, Tieren und anderen Phänomenen beeinflussen. Seit der Veröffentlichung dieses Werkes spielt die Erforschung der Klassifikation eine zentrale Rolle in der Anthropologie.

Ein weiteres wichtiges Buch, das schon mit seiner Dissertation seine Anfänge nahm, ist „De la division du travail social“. Durkheim fragte sich, wie aus einer Masse an Individuen eine Gesellschaft wird – also wie soziale Ordnung entsteht. Seine Antwort darauf ist die Arbeitsteilung, wobei er die Unterschiede zwischen traditionellen und modernen Gesellschaften im Grad der Arbeitsteilung sah. Hierbei unterteilte er weiter in organische und mechanische Solidarität.
Erstere Form der Solidarität zeichnet sich dadurch aus, dass mit fortschreitender Industrialisierung und Modernisierung eine verstärkte Spezialisierung und Trennung nicht nur im Bezug auf Berufe, sondern auch auf Werte Interessen und Normen, stattfindet. Durch diese Separation werden alle Mitglieder einer Gesellschaft voneinander abhängig und so erhält sich auch die soziale Ordnung.
Wirft man aber einen Blick auf nicht oder kaum industrialisierte, also traditionelle, Gesellschaften, so macht sich ein geringerer Grad an Arbeitsteilung bemerkbar. Das Gemeinsame, Ähnliche hat große Bedeutung – der Gruppenzusammenhalt entsteht also durch gemeinsame Arbeit und Ideologien (u.a. Religion), also durch mechanische Solidarität.
Arbeitsteilung ist eines der wichtigsten Konzepte um Gesellschaften zu verstehen und so trugen diese Überlegungen zur Entwicklung einer modernen Gesellschaftstheorie bei. Auch heute haben wir es mit immer stärker werdender Rationalisierung und Individualisierung und immer weniger werdendem „Traditionsbezug“ in allen Lebensbereichen zu tun.

Auch Durkheims Werk “Suicide” hat es redlich verdient hier erwähnt zu werden. In diesem Buch versuchte der „armchair“-Anthropologe erstmals das empirische Forschen in die Soziologie einzubeziehen bzw. zu vereinen und versuchte eine soziologische Erklärung für ein ursprünglich ausschließlich als psychologisch und individualistisch betrachtetes Phänomen zu finden. Durkheim machte sich Gedanken über die sozialen Ursachen, die einen Menschen dazu bewegen sich das Leben zu nehmen und über die unterschiedliche Auffassung eben dieses Aktes in verschiedenen Gesellschaften.

Ein bis heute sehr einflussreiches Konzept Durkheims ist das der Anomie. Unter diesem Begriff verstand er den Zustand in dem soziale und/oder moralische Normen unklar oder gar nicht vorhanden sind, was zu abweichendem Verhalten in einer Gesellschaft führt. Hierbei spricht er vor allem die mit der Modernisierung Hand in Hand gehende Separation der Individuen voneinander an, wodurch soziale Bände stark geschwächt werden. Er beschäftigte sich außerdem mit dem Einfluss der Anomie auf Ziele, die sich die einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft setzen. Durch das Wegfallen der Einschränkung eben dieser durch soziale Ordnung und Moral, stecken sich die Menschen immer häufiger unerreichbare, irrealistische Ziele, wodurch sie sich selbst unglücklich machen. Dieses Konzept der durch den sozialen Wandel erzeugten Anomie spielt auch in der Gegenwart eine wichtige Rolle in der so genannten Anomieforschung der Kriminologie und dem Studium abweichenden Verhaltens.

Kritisiert wurde Durkheim oftmals für seinen Determinismus, also für seine Ansicht, dass äußere strukturelle Einflüsse der Gesellschaft die inneren Umstände bzw. das Individuum beeinflussen und diese so in ein „soziales Korsett“ zwängen. Dies könnte man auch als eine Art „Antiindividualismus“ bezeichnen, aufgrund der Rolle die Durkheim dem einzelnen zuteil werden lässt.

Resumée

Durkheim regte mit seinem struktural-funktionalistischen Ansatz die sozialwissenschaftliche Theorienbildung in NW-Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die bis heute eine bedeutende Rolle spielt. Man könnte ihn als den „Guru“ des Funktionalismus und der Soziologie in Europa bezeichnen. Er beeinflusste auch nachfolgende Generationen an Anthropologen, wie z.B. seinen Neffen Marcel Mauss und den ebenfalls verwandten Claude Lévi Strauss.
Er näherte die Kultur- und Sozialanthropologie erstmals an andere Disziplinen an.
Durkheim entfernte sich von der Entwicklung der Menschheit entlang einer Stufenleiter, wie es der Evolutionismus vertrat und wandte sich mehr der Gegenwart zu. Er wollte durch die Analyse der eigenen Gesellschaft lernen andere Gesellschaften zu verstehen und nicht mehr ausschließlich das „Exotische“, das Fremde erforschen. Durkheim interessierte sich besonders für die Vergleichbarkeit verschiedener Kulturen und entdeckte diesbezüglich, dass Weltbilder und kollektive Vorstellung in der Realität nicht einzigartig sind, sondern nur von den Mitgliedern einer Gesellschaft so empfunden werden.
Weiters sah er das Individuum als ein Produkt der Gesellschaft, also als etwas, das von der Gesellschaft geformt wird.

Ich selbst finde es sehr interessant über so einflussreiche Personen wie Durkheim zu lernen und mich wirklich damit auseinanderzusetzen, da es einem bewusst macht, dass Gedankengänge, die für uns heute so selbstverständlich erscheinen, auch einmal von jemandem als erstes gedacht werden mussten. So viel ist heute schon entdeckt, gedacht worden, bekannt, dass es schwer sein wird die Kultur- und Sozialanthropologie und auch andere Disziplinen so sehr zu prägen wie es ihre Gründerväter (und auch –mütter) getan haben.

Quellenangaben

* Barth, Frederic; Gingrich, Andre; Parkin, Robert; Silverman, Sydel: One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology. The Halle Lectures. Chicago: University of Chicago Press. 2005.

* Eriksen, Thomas Hylland: Small Issues, Large Places: An Introduction to Social and Cultural Anthropology. 2. Auflage. London: Pluto Press. 2001

* Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology. Cambridge: Cambridge University Press. 2000

* http://homepage.univie.ac.at/Franz.Martin.Wimmer/stud-arbeiten/vo0304arbweber.pdf. 20.11.2005

* http://durkheim.itgo.com/. 19.11.2005

Thursday, October 27, 2005

Hallo

Hallo ihr!
Noch gibt es keinen Eintrag von mir, aber bald werde ich diesen genialen blog mit meinen wissenschaftlichen Ergüssen füllen.

Also mal abwarten.

Ciao Lili, ihr kennt mich sicher alle.